Forschungsschwerpunkte
   
   Luxemburgistik
   
   Gegenwartsliteratur


   Vormärz-Studien
   
   Literatur und Recht

   
   Drama und Theater
   
   Edition


Luxemburgistik



IVG Warschau 2010

Luxemburgistik im Spannungsfeld von Mehrsprachigkeit, Regionalität, Nationalität und Internationalität. Sektion 9 bei Vielheit und Einheit der Germanistik weltweit. XII. Kongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG)

Das erfreuliche Interesse, das die luxemburgische Sprache in der internationalen Forschungsdiskussion in den letzten Jahren erfahren, äußert sich sowohl in gemeinsamen Projekten von Luxemburger Forschungseinrichtungen und ausländischen Universitäten als auch in der steigenden Anzahl wissenschaftlicher Publikationen. Neben der Sprache hat auch die Luxemburger Literatur in den drei landesüblichen Sprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch große Aufmerksamkeit gefunden. Davon zeugen die zahlreichen literarischen Auszeichnungen, die Luxemburger Autoren in den letzten Jahren im Ausland erhalten haben, oder die Übersetzungen zentraler Texte der Luxemburger Nationalliteratur ins Französische, Deutsche, Englische, Italienische, Spanische, Russische u.a. Die wachsende Zahl an Studienausgaben in der Editionsreihe Lëtzebuerger Bibliothéik und in der Wissenschaftsreihe Essais der Éditions Phi und des Centre national de littérature sind ein weiterer Hinweis auf ein zunehmendes Interesse an der Luxemburger Literatur, insbesondere da jüngst wichtige Lücken in internationalen Forschungsfeldern durch Studien in der Luxemburger Literatur geschlossen werden konnten.
Das Interesse an der Luxemburgistik ist darauf zurückzuführen, dass die luxemburgische Sprache und die Luxemburger Literatur in drei Sprachen für viele Linguisten und Literaturwissenschaftler ein reichhaltiges Forschungsfeld darstellt:


Identitäts(de)konstruktionen. Neue Studien zur Luxemburgistik. Hg. von Claude D. Conter und Germaine Goetzinger. Mersch: Éditions Phi [2008] 


Der Band ldentitäts(de)konstruktionen versammelt Beiträge zur Literatur in drei und mehr Sprachen im Großherzogtum Luxemburg und weist zugleich den Weg zur kulturwissenschaftlichen Luxemburgistik. Unter Rückgriff auf neuere Theorien zur Identitätskonstruktion, zum kulturellen Gedächtnis, zur Interkulturalität und zur Narratologie beschäftigen sich junge Literaturwissenschaftler/-innen mit Autor/-innen und Werken des 20. Jahrhunderts. Dabei wird die Vielfalt ästhetischer Modelle erkennbar, welche die Luxemburger Literatur als Medium sozialer und kultureller Selbstbeobachtung entwirft, indem sie Identitätsmodelle in historischer, sprachlicher, politischer, geographischer und kultureller Perspektive verhandelt und diskutiert.
ldentitäts(de)konstruktionen  ist der Sammelband zur Tagung  Nei Tendenzen an der Recherche iwwert d’Lëtzebuerger Literatur am 7. Februar 2006 im Centre national de littérature in Mersch (Luxemburg), organisiert von Claude D. Conter und Germaine Goetzinger mit der finanziellen Unterstützung des Fonds National de la Recherche.


Das Luxemburger Autorenlexikon
. Hg. von Germaine Goetzinger und Claude D. Conter. Mersch: Centre national de littérature 2007. ISBN 978-2-919903-06-1, 45.-€

Das Luxemburger Autorenlexikon umfasst 688 Seiten und stellt Leben, Schaffen und Werk der Schriftsteller vor, die seit 1815 im literarischen Leben Luxemburgs gewirkt haben, d.h. 979 Autoren, über 10.000 Werke in 12 Sprachen (Romane, Kurzprosa, Lyrik, autobiografische Texte, Theaterstücke, Essays, Reiseberichte). Das Luxemburger Autorenlexikon gibt zudem Auskunft über 700 Pseudonyme und Namensvarianten, 816 Fotos und Porträts, Literaturpreise, Auszeichnungen, Vertonungen, Verfilmungen und archivalische Nachweise.

   
Gegenwartsliteratur


Tod – Sex – Genie. Beiträge zum Werk von Helmut Krausser. Hg. von Claude D. Conter und Oliver Jahraus. Göttingen: Wallstein 2009.

Einer der umstrittensten und originellsten Gegenwartsautoren: Erstmals wird Helmut Kraussers Werk erklärt und entmystifiziert.
Helmut Krausser ist nicht nur ein großer Romancier, er ist auch Dichter, Dramatiker, Essayist und Tagebuchautor. Diese Formenvielfalt sichert ihm einen besonderen Platz in der deutschen Literatur; zudem gelingt es ihm, sein ‘uvre von Buch zu Buch konsequent weiter zu entwickeln. Dabei versteht er es, an die großen europäischen Erzähltraditionen des Realismus, mehr noch aber der Romantik anzuknüpfen und diese Tradition eigenständig und innovativ weiterzuführen. Auch scheut er die großen Themen nicht: Liebe und Sexualität, Kunst und Musik, Wahnsinn und Tod, Verbrechen und Gewalt.
Mit Beiträgen von: Moritz Baßler, Ingrid Bennewitz, Johannes Birgfeld, Claude D. Conter, Hans-Peter Ecker, Inga Mai Groote, Lutz Hagestedt, Oliver Jahraus, Christoph Jürgensen, Tom Kindt, Klaus Maiwald, Steffen Martus, Friedhelm Marx, Stefan Neuhaus, Dirk Niefanger, Martin Rehfeldt, Eckhard Schumacher, Wulf Segebrecht, Friedrich Vollhardt.
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Christian Kracht. Zu Leben und Werk. 
Hg. von Johannes Birgfeld und Claude D. Conter. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2009.

Von vielen gefeiert, von manchen missverstanden und angefeindet, steht Christian Kracht im Zentrum der neueren Debatten zur deutschen Gegenwartsliteratur. Die Faszinationskraft seiner Texte, die Herausforderung, die seine glänzend geschriebenen und doch auch rätselhaft bleibenden Romane und Reiseerzählungen darstellen, sind Grund genug, erstmals einen Sammelband zu Christian Kracht und zu seinem Werk vorzulegen.
Krachts Stil ist in seiner Eleganz, Ökonomie und Klarheit außergewöhnlich. Seine Themenwahl – von Phantasien der Selbst- und Weltauslöschung bis zu den Reisen an die ungewöhnlichsten und angenehmsten Orte dieser Welt – ist konkurrenzlos originell und mutig. Seine Geschichten mischen auf unerhörte, unterhaltsame Weise E- und U-Literatur: die Avantgarden des 20. Jahrhunderts und den Comic, Thomas Mann und Thomas Pynchon mit Science Fiction, die road novel und den Abenteuerroman.
Das Buch will den Leser mitnehmen auf neue Wege, den Geheimnissen der Bücher Krachts näherzukommen. Dabei werden u.a. diskutiert: Kracht und der Ästhetizismus, Kracht und die Popliteratur, Kracht als Journalist, Theaterautor, Leser und Vorleser, als Reiseschriftsteller und Bergsteiger, als Verschwörungsarchitekt und Moralist, und: Kracht als Gesamtkunstwerk.
Mit Beiträgen von Johannes Birgfeld, Patrick Bühler, Claude D. Conter, Sebastian Domsch, Fabian Lettow, Lutz Hagestedt, Till Huber, Oliver Jahraus, Paul Michael Lützeler, Franka Marquardt, Ingo Niermann, Eckhart Nickel, Oliver Ruf, Christoph Rauen, Leander Scholz, Andreas Schumann und Eckhard Schumacher.
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Vormärz-Studien 


Literatur und Recht im Vormärz. Hg. von Claude D. Conter. Bielefeld: Aisthesis 2010.

Das Verhältnis von Literatur und Recht hat in den letzten Jahren Schwerpunktthema des Jahrbuches 2009 des Forum Vormärz Forschung ist das Verhältnis von Literatur und Recht im Vormärz, ein seit den Anfängen der Vormärzforschung zentraler und kontinuierlich bearbeiteter Problemaufriss mit hoher Relevanz für das Verständnis der Literatur nach den Karlsbader Beschlüssen vom 20. September 1819. Die hier versammelten Beiträge stehen daher einerseits in der Kontinuität bisheriger Beschreibungsmodelle vormärzlicher Literatur. Sie beschreiten andererseits neue Wege, insofern sie das traditionell auf die Zensur fokussierte Interesse am Verhältnis von Literatur und Recht erweitern. Sie knüpfen zudem an die vielfältigen Studien zu den Wechselbeziehungen zwischen Recht und Literatur im Allgemeinen an, die in den letzten Jahren unter dem anregenden Impuls der Law-and-Literature-Bewegung in den Literatur- und Geisteswissenschaften ein besonderes Interesse hervorgerufen haben. Es ist folgerichtig, dass das FVF auch diese Ansätze aufgreift, abwägt und für seinen Gegenstand fruchtbar macht.
Weitere Informationen sowie die Einleitung


Jenseits der Nation – das vergessene Europa des 19. Jahrhunderts. Eine Geschichte der Inszenierungen und Visionen Europas in Literatur, Geschichte und Politik. Bielefeld: Aisthesis 2004.

Das 19. Jahrhundert gilt immer noch als Säkulum der Nationenbildung. Die vorliegende diskurshistorische Studie erklärt nun das Jahrhundert der Nationen als eine Geschichte der Europa-Inszenierungen. Sie weist nach, dass sich die Vorstellungen der Nation erst aus dem Europa-Diskurs heraus entwickelt haben, und stellt die lebendigen Debatten vor, in denen Europa von den Zeitgenossen als politische Idee, als interkultureller Erfahrungsraum, als prospektives sozio-kulturelles Modell und als kulturelle Praxis wahrgenommen wird. Der Verfasser hat ein umfangreiches Korpus an überwiegend deutschsprachigen, politischen, historiographischen, publizistischen, juristischen, theologischen und vor allem belletristischen Texten recherchiert. Anhand dieser Schriften wird rekonstruiert, wie sich infolge der revolutionären Umbrüche und politischen Krisen seit dem Sturz Napoleons das Bewusstsein einer europäischen Identität zunächst ausbreitet, aufgrund von politischen, kulturellen, technischen und geschichtsphilosophischen Entwicklungen wandelt und mit der Reichsgründung schließlich marginalisiert wird.
Insbesondere die Literaten entwickeln eine bis heute gebräuchliche Europa-Rhetorik. Bekannte Autoren wie Heine, Laube, Rückert, Schlegel oder Fürst Pückler-Muskau, aber auch Modeliteraten wie Zschokke, Willkomm oder Storch sowie vergessene Autoren wie Adolph von Schaden haben ihre Vorstellungen vom Kontinent in Geschichten inszeniert: Sie reichen von den Vereinigten Staaten von Europa bis hin zum europäischen Einheitsstaat, von einer offenen, kosmopolitischen Gesellschaftsordnung bis hin zum Wunsch nach einer uneinnehmbaren europäischen Festung, von den europaskeptischen Geschichtspessimisten bis hin zu den messianischen Sehnsüchten nach einer Kolonialmacht.
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Wechselverhältnis von Literatur und Recht


Justitiabilität und Rechtmäßigkeit. Verrechtlichungsprozesse von Literatur und Film. Hg. von Claude D. Conter. Amsterdam: Rodopi 2009

Das Recht ist eine wesentliche Entstehungsbedingung moderner Literatur. Unter diesem Gesichtspunkt ist Literatur als justitiabel, als Gegenstand der Gerichte und des Rechts zu begreifen. Die Literaturgeschichte ist demnach auch entlang von Verrechtlichungsprozessen zu beschreiben: Die Zensur, das Urheberrecht und das Persönlichkeitsrecht sind dabei nur drei Beispiele aus einer Vielzahl rechtlicher Bestimmungen, die prägenden und nachhaltigen Einfluss auf die Entstehung und Wirkung von Literatur haben.
Im vorliegenden Sammelband gehen Literatur- und Filmwissenschaftler ebenso wie Juristen diesem komplexen Verhältnis nach: In 15 Fallanalysen zur deutschsprachigen Literatur von der Aufklärung bis zur Gegenwart sowie zum Film und zum Comic stellen sie besonders markante und aufschlussreiche Beispiele für das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Literatur und Recht dar. Dabei wird vielfältig erkennbar, dass und wie Literatur in das juristische Gebiet hineinwirkt und dass der juristische Rahmen unabdingbar zum Verständnis literarischer Texte und literatursoziologischer Prozesse ist.
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Drama und Theater 

   
Das Unterhaltungsdrama um 1800. Das Unterhaltungssstück um 1800. Literaturhistorische Konfigurationen - Signaturen der Moderne. Hannover: Wehrhahn Verlag 2006  ISBN-10: 3-86525-005-XISBN-13: 978-3-86525-005-6, 34 €

Die Jahrzehnte um 1800 sind in der Geschichte des deutschsprachigen Theaters eine lebendige und prägende Epoche: Im Anschluss an die Nationaltheaterbewegung entstehen seit den 1770er Jahre in vielen deutschen Städten die ersten stehenden Schaubühnen. Erstmals entwickelt sich breitflächig ein professioneller Sprechtheaterbetrieb. Der Bedarf an Stücken ist enorm, auch weil das Theaterpublikum stetig wächst. Frauen nutzen die sich bietende Chance zum Einstieg in den literarischen Markt. Zugleich entsteht ein neuer Autorentypus, der des Unterhaltungsdramatikers. Nicht Goethe oder Schiller, sondern Dramatiker wie August Wilhelm Iffland und August von Kotzebue beherrschen mit ihrem hohen Ausstoß immer neuer Stücke die deutschen Bühnen. Ihre Werke wurzeln fest in der Ethik und Ästhetik der Aufklärung. Als Theaterleiter oder Berufsautoren sind sie zugleich auf regelmäßige Publikumserfolge angewiesen. Ihre Adressaten sind jene Vertreter der gebildeten Mittelschichten, die Geld und Zeit für regelmäßige Theaterbesuche besitzen und vom Theater eine Mischung aus Unterhaltung und Belehrung erwarten.
Das Unterhaltungstheater stellt mit seiner Orientierung am Publikum und den praktischen Erfordernissen des Theaterbetriebes eine Herausforderung für schreibende Zeitgenossen dar. Auch sein Festhalten an Grundsätzen der Aufklärungsepoche, die um 1800 endgültig zu Ende geht, ruft unter der literarischen Avantgarde, sie sich am Konzept der Weimarer Klassik oder an der sich seit der Jahrhundertwende formierenden (Früh-)Romantik orientiert, mitunter heftige Reaktionen hervor. Es beginnt eine bis heute andauernde Abwertung des so genannten Unterhaltungstheaters um 1800, die allerdings zumeist übersieht, dass das Publikum dieser Stücke weder ungebildet war oder noch bildungsfern lebte; dass seine Autoren ambitionierte poetologische Programm verfolgten; dass sein Erfolg nahe legt, es habe durchaus Themen von hoher Relevanz auf eine für das Publikum produktive Weise behandelt. 
Der vorliegende Band hat das Ziel, das Genre und die Konzeption des Unterhaltungstheaters um 1800 neu zu profilieren. Zu diesem Zweck gehen die einzelnen Studien dem produktiven Beitrag des Unterhaltungstheaters zum politischen Diskurs des späten 18. Jahrhunderts nach, untersuchen die Bühnenunterhaltung als reflexives Medium sozialer Wirklichkeiten, beleuchten den Beitrag weiblicher Autorinnen zum Genre wie die Debatte um Genderrollen auf der Unterhaltungsbühne und akzentuieren das Unterhaltungstheater im Kontext der ästhetischen Debatten um 1800.


Edition

Edition der Lustspiele von Karl Gotthelf Lessing

Karl Gotthelf Lessing (1740-1812) ist nicht nur der erste Biograph und Nachlaßverwalter seines weitaus bekannteren, um 11 Jahre älteren Bruders, Gotthold Ephraim Lessing. Er ist in erster Linie ein eigenständiger Denker und origineller Komödienschreiber. Er schätzt Shakespeare, verspottet die Regeldramen und begleitet die Werke der Stürmer-und-Dränger von Anfang an. Zugleich bleibt er ein treuer Anhänger der Aufklärungskonzeption seines Bruders. Erstmals erscheinen nun seine acht Lustspiele in einer kommentierten Leseausgabe. Sie leistet einen Beitrag zum Verständnis der aufklärerischen Komödie von der Posse über die italienisch-französische Burleske bis zur gesellschaftskritischen Verwirrungskomödie. Lessings Entwicklung vom Intrigentheater bis zur bürgerlichen Gesellschaftsreflexion ist auch symptomal für die literaturgeschichtlichen Entwicklungen zwischen 1760 und 1780, jener Zeit, in der seine Dramen entstehen und in der er zudem als Rezensent und Übersetzer die europäische Dramenproduktion genauestens verfolgt hat.
Die Edition lädt darüber hinaus dazu ein, das von Verehrung und Anspannung geprägte Verhältnis zum älteren Bruder zu illustrieren, kommentieren doch Karl Gotthelfs Dramen auch jene Themen, die das Schaffen und Leben Gotthold Ephraims orientieren, sei es die ungezügelte Spielleidenschaft oder den religiösen Emanzipationsgedanken. Lessings Dramen sind aber nicht nur interessant als Zeugnisse des Bruder-Schriftstellers, sondern ergänzen die Forschung zur Berliner Aufklärung wesentlich dadurch, dass der bisher zu Unrecht vernachlässigte Karl Gotthelf beste Kontakte zu Friedrich Nicolai, Moses Mendelssohn, Ramler, Brandes und Voss pflegte und in den Literaturbetrieb seiner Zeit integriert war. Seine Dramen sind daher nicht nur vergnüglich zu lesen, sondern ihre Kenntnisse ergänzen die Forschung zur Entwicklung der deutschen Komödie in der Berliner Aufklärung.

Band 1: 2007. 382 Seiten, Broschur, ISBN 978–3–86525–001–8, Preis: 28,00 € 
Band 2:2007, 322 Seiten, Broschur, ISBN 978–3–86525–002–5, Preis: 28,00 €
Band 3: Interpretationen, Rezeptions- und Wirkungsgeschichte (vorauss.  2012)


Edition der Posse Der Komet von August Wilhelm Iffland 



Iffland, August Wilhelm: Der Komet. Eine Posse in einem Aufzuge. Leipzig 1799. Hrsg. v. Johannes Birgfeld und Claude Conter. Mit einem Nachwort von Johannes Birgfeld und Claude Conter. Theatertexte 10. 2006, 120 Seiten, Broschur, ISBN 978–3–932324–40–6, ISSN 1863-8406, Preis: 20,00 €

Was verbindet Woody Allen und Johann Nepomuk Nestroy mit August Wilhelm Iffland? Wieso lässt Arno Schmidt in seinem Roman Kaff auch Mare Crisium Ifflands Posse Der Komet neu aufleben? Nicht erst die jüngsten Rezeptionsdokumente zeigen, dass die eher unbekannte Posse Der Komet des bekannten Schauspielers, Theaterdirektors und Unterhaltungsschriftstellers August Wilhelm Iffland (1759–1814) immer wieder zu irritieren und zu faszinieren wusste, so dass das Stück von 1798 nichts Geringeres als eine erstaunliche Wirkungsgeschichte bis ins 20. Jahrhundert aufzuweisen hat.

Die Angst vor Kometen als Vorboten des Schlechten, womöglich gar des jüngsten Gerichts, die im Zentrum des Kometen steht, hat eine lange Tradition. Ifflands Stück aber über den drohenden Weltuntergang durch einen auf die Erde herabstürzenden Kometen ist mehr als nur eine Kritik an Scharlatanen und eine Verspottung astrologischer Moden. Iffland setzt sich besonders mit jenen Ängsten auseinander, die von Kometen um 1800 trotz des Aufschwungs der Naturwissenschaften, trotz der zunehmenden Berechenbarkeit der Welt noch immer ausging – und bezieht so auch Stellung zum Projekt der Moderne schlechthin, zu seinen Leistungen wie seinen Schattenseiten. Der Komet bilanziert den Stand der Aufklärung um 1800 – und kommt so zu überraschenden Ergebnissen.

Die hier vorgelegte Edition, die dem Erstdruck von 1799 folgt, enthält Dokumente zur Rezeptions- und Wirkungsgeschichte, Informationen zum Leben und Wirken des Autors sowie zum kultur- und literaturgeschichtlichen Kontext.
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