Lehre

LMU München


University of the South, Sewanee (TN)


Uni Trier


Uni Bamberg



SoSe 2008 PS Christian Kracht und die Gegenwartsliteratur

Christian Kracht wurde gefeiert als Begründer der deutschen Popliteratur, und er wurde denunziert als Sympathisant einer neuen Rechten. Er wird bewundert als Ästhet oder letzter Dandy und er wird verschrieen als Décadent und Meister des oberflächlichen Glanzes, der Pose, des schönen Nichts. Und er lässt Kritiker sprachlos, ohnmächtig und wütend zurück. 1995 wurde Kracht mit dem Erscheinen von Faserland zunächst als einer der Hauptprotagonisten der deutschen Popliteratur berühmt und hat als solcher bereits einen bleibenden Platz in der Literaturgeschichte inne. Mit dem Label Popautor allerdings wurde zugleich die Rezeptionspolitik für die weiteren Jahre bestimmt. Dabei wurde freilich übersehen, wie sehr Christian Kracht immer auch ein Einzelgänger der Literatur war. Das singuläre Zeitschriftenprojekt Der Freund ist nur ein Beispiel dafür, ein anderes wäre die Reiseliteratur. Kracht vermisst unsere Welt von Sylt bis Zürich, und im Zeitalter der Globalisierung, da die Fremde nicht mehr fremd sein muss, auch die letzten Welten, die noch der medialen Bilderkontrolle entzogen sind, wie Nordkorea, Iran und Afghanistan. Er verführt die Leser zu Verschwörungstheorien und apokalyptischen Vorstellungen und greift in seinen dystopischen Entwürfen und utopischen (De)Konstruktionen auf die großen Themen zurück: Gewalt, Tod, Lust am Untergang und die Liebe zu den schönen Dingen. Im Seminar widmen wir uns dem Gesamtwerk. Wir lesen alle Romane, die Reiseliteratur und die Erzählungen, beschäftigen uns mit dem Literaturmagazin Der Freund und versuchen, das Werk Krachts in den Tendenzen der Gegenwartsliteratur zu verorten, wobei wir literarische Verbindungen und ästhetische Unterschiede herausarbeiten. Das Seminar leistet zudem eine Beschreibung des gegenwärtigen literarischen Feldes.


SoSe 2008 ES Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Das Einführungsseminar dient primär der Vermittlung interpretatorischer und textanalytischer Fähigkeiten. Kenntnisse der Literaturgeschichte sollen in der Überblicks-Vorlesung und weiteren Vorlesungen erworben werden. Voraussetzungen für den Erwerb des benoteten Scheines sind 
1. Die kontinuierliche Erledigung von Hausarbeiten als Zulassungsvoraussetzung für die Klausur. 
2. Die erfolgreiche Teilnahme an einer zweistündigen Abschlussklausur. 

Im Verlauf des Seminars werden folgende Arbeitseinheiten abgedeckt: 
Grundbegriffe des Faches und Wissenschaftliches Arbeiten I (Vermittlung und Problematisierung grundlegender Begriffe wie Literatur, Text, Gattung, Autor, Epoche) - Kennenlernen der Bibliotheken, Bibliographieren, Bestellen, Ausleihen, Benutzen von Nachschlagewerken - Rhetorik - Metrik - Lyrikanalyse - Dramenanalyse - Erzählanalyse - Edition und Textkritik - Probleme der Literaturgeschichtsschreibung - Wissenschaftliches Arbeiten II (Exzerpte, Zusammenfassungen, Referat, Seminararbeit) - Vorstellung von Theoriekonzepten
 

WS 2007/2008 PS Literaturskandal! – Fiktion und Persönlichkeitsrecht im Widerstreit

Die Vorstellung, in literarischen Texten würden reale Personen porträtiert, hat nicht nur heute, sondern auch früher bereits zu Gerichtsprozessen oder aber zu öffentlichen Debatten über tatsächliche oder erwünschte Grenzen von Fiktionalisierung geführt. In solchen Fällen sind nicht nur die einzelnen Fälle von Bedeutung, sondern auch die Diskussion um die jeweilige Reflexion über Literatur zwischen den entgegengesetzten Grundrechten der Kunstfreiheit und des Persönlichkeitsrechtes. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist das Mephisto-Urteil zum gleichnamigen Roman von Klaus Mann bedeutsam. Doch bereits die Schmähschriften und Literatursatiren (etwa um 1800) in früheren Jahrhunderten haben nicht selten für einen Skandal gesorgt, der die Grenzen des Literaturbetriebes überschritten hat. Die Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Persönlichkeitsrecht ist keine periphere, insofern die rechtlichen Folgen wie Buchverbote, Zensureingriffe, finanzielle Einbußen real und existenziell sind. Im Seminar wollen wir sowohl Beispiele aus der Vergangenheit wie auch der Gegenwart diskutieren. Vorausgesetzt wird das Interesse an aufwändigen Recherchen sowie auch an der Lektüre rechtlicher Texte (Gesetze und Gerichtsurteile).


WS 2007/2008 HS Tabubrüche in der Literatur des 20. Jahrhunderts

In Totem und Tabu hat Sigmund Freud auf die Bedeutung von Tabus hingewiesen und die Neugierde auf das Verbotene, Gefährliche, Unheimliche und Unreine unterstrichen. Literatur ist ein solches Medium, das solche Dimensionen berührt und daher repressiven Bewegungen ausgesetzt ist. Da Tabus ordnungserhaltende Instrumentarien sind, die geltende Normen, Werte und Traditionen zementieren, führen literarische Tabubrüche nicht selten zu Friktionen, die mit der Stigmatisierung der Autoren oder mit dem Veröffentlichungsverbot enden. Im 20. Jahrhundert hat sich nun eine Literatur entwickelt, die sich einem ästhetischen Programm der Avantgarde verpflichtet fühlt und ihre Wirkung auf ästhetische, moralische oder politische Irritationen ausrichtet. Diese Literatur kann als eine Konfliktgeschichte mit anderen Systemen wie Recht, Religion oder Politik beschrieben werden. Mit den Erschütterungen zunächst ästhetischer Kategorien um 1900 und dem Anliegen, den bürgerlichen Kulturbetrieb zu zertrümmern, haben die Dadaisten programmatisch den Versuch unternommen, den Tabubruch als konstitutiven Maßstab von Literatur in Szene zu setzen. Damit gehen sie radikaler vor als jene Autoren der Wiener Moderne, die neue Formen ästhetischer Irritationen gefunden und die insbesondere in polarisierenden Verhandlungen von Sexualität und Moral öffentliche Debatten hervorgerufen haben. Im Seminar soll die von beiden Literaturbewegungen ausgehende Vorstellung literarischer Tabubrüche bis in die Gegenwart aufgezeigt werden: Literatur als ästhetische Provokation und Literatur als moralische Provokation. Außer Texten von Artur Schnitzler, Frank Wedekind, Oskar Panizza interessieren der Wiener Aktionismus sowie einzelne Texte, die in einer breiteren Öffentlichkeit für Furore gesorgt haben und nicht selten vor dem Gericht endeten, z. B. von Günter Grass oder Heinrich Böll. Themen des Seminars sind Bücherverbote, Blasphemie, Sexualität und Politik.


SoSe 2007 PS Tendenzen der Gegenwartsliteratur

Als Zeitgenosse jeweils die Tendenzen der Gegenwartsliteratur herauszukristallisieren, ist seit den Bestrebungen der deutschen Literaturgeschichtsschreibung eine besondere Herausforderung gewesen. Wer die Entwicklungen im literarischen Feld nicht im Rückblick betrachtet, sondern für die zeitgenössische Literatur nach 1989 narrative Muster einer Sinngeschichte der deutschen Literatur sucht (im Gegensatz zu den persönlichen Lektüreeindrücken wie in den Lichtjahren von Volker Weidermann), sieht sich mit mehreren Problemen konfrontiert. Im Seminar wollen wir Formen und Prozesse sinnhafter Literaturbeobachtung für die Literatur nach 1989 erarbeiten. Dabei wollen wir uns mit einzelnen Phänomenen wie der Popliteratur ebenso beschäftigen wie mit thematischen Kontinuitäten in der Literatur. Texte werden u.a. unter dem Gesichtspunkt der Erinnerungskultur betrachtet und als Verhandlungsmedien sozialer und kultureller Selbstverständigung verstanden. Das Seminar berücksichtigt zugleich zentrale Autoren wie Helmut Krausser, Durs Grünbein und Daniel Kehlmann und analysiert die Funktion von Literatur im sozialen Gefüge, wobei den literarischen Skandalen ein besonderes Interesse zukommt. Eine vorläufiger Seminarplan ist auf der Homepage (www.claudeconter.de) einzusehen.


SoSe 2007 PS Das Wissen in der Literatur - Das Wissen der Literatur

Wenn man Literatur als ein Reflexionsmedium von sozialen, kulturellen oder politischen Modernisierungsprozessen begreift, wird man schnell mit den Fragen konfrontiert, welches Wissen die Literatur aufnimmt und welches Wissen sie über spezifisch ästhetische Muster und Medien vermittelt. In den letzten Jahren haben diese beiden Fragen zu Formen und Funktionen der Verfahren von Wissensspeicherung und -codierung die Literaturwissenschaft vermehrt interessiert. Die Fragestellung ist nicht zuletzt der Überzeugung geschuldet, dass der Literatur ein Wirkungsmodell kultureller Verbindlichkeit inhärent ist. Im Seminar werden wir uns mit literarischen Wissenstransformationen und Verhandlungen von Wissen in der Literatur vom 17. Jahrhundert (u.a. von Andreas Gryphius) bis in die Gegenwart (u.a. René Pollesch und Kathrin Röggla) beschäftigen, wobei insbesondere die Themengebiete des Rechts, der Naturwissenschaften (u.a. Naturalismus und Weltanschauungsliteratur), der Technik (u.a. Eisenbahnen) und der Wirtschaft interessieren. Im Mittelpunkt stehen dabei solche Episteme, die zu einem bestimmten Zeitpunkt als neu gelten und denen ein Innovationsschub im Modernisierungsprozess zugesprochen wird. Das Seminar macht zudem mit theoretischen Ansätzen der Interdiskursanalyse, des New Historicism und der Wissenschaftsgeschichte bekannt. Eine vorläufiger Seminarplan ist auf der Homepage (www.claudeconter.de) einzusehen.


SoSe 2007 Kolloquium Kultur- und Naturwissenschaften im Widerstreit

Charles Percey Snow sorgte 1959 für Aufsehen, als er die Geistes- und die Naturwissenschaften als zwei Kulturen hervorhob, zwischen denen eine Verständigung immer weniger gelinge. Das Auseinanderdriften dieser zwei Kulturen, die von Snow als ein soziales und politisches Problem diagnostiziert wurde, initiierte in der Literaturwissenschaft eine Reflexion über das Verhältnis ihres Gegenstandes zu den Naturwissenschaften. Im Kolloquium wollen wir Snows maßgeblichen Essay besprechen und die sich daran anschließende Diskussion verfolgen bis hin zu Wolf Lepenies Die drei Kulturen. Soziologie zwischen Literatur und Wissenschaft.


WS 2006/07 Spring Term in Sewanee Course 407 - 19th Century German Literature

Das lange 19. Jahrhundert ist eine literarische Epoche eines raschen Wechsels von literarischen Programmen. In Reaktion auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland (industrielle Revolution, Geburt der deutschen Nation) versuchen die Schriftsteller, Antworten auf die Probleme der Zeit zu finden. Vor allem aber entstehen neue literarische Formen, mit denen auf den Prozess der Modernisierung reagiert wird. Das Seminar gibt anhand jeweils eines Textes einen Überblick die verschiedenen Epochen und literarischen Bewegungen (Romantik, Biedermeier, Junges Deutschland, Vormärz, Realismus, Naturalismus und Klassische Moderne). Es werden Texte gelesen insbesondere von Georg Büchner, Eduard Mörike, Heinrich Heine, Annette von Droste-Hülshoff, Gottfried Keller, Gerhart Hauptmann und Hugo von Hofmannsthal.


WS 2006/07 Spring Term in Sewanee Course 322 - Survey of German Literature I

Der Kurs gibt einen Überblick über die deutsche Literatur von 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Dabei werden zwei Schwerpunkte gebildet. Zum einen beschäftigen wir uns mit der Aufklärungsepoche, wobei wir den Ausgangspunkt bei Lessing nehmen und die Religionsfreiheit als ein wesentliches Merkmal der Aufklärung betrachten. Auch Schiller steht noch in der Tradition der Aufklärung. In beiden Fällen wird der Schwerpunkt auf der theater- und dramengeschichtlichen Entwicklung in Deutschland liegen. Des weiteren widmen wir uns Texten des 19. Jahrhunderts. In einem zweiten Schwerpunkt beschäftigen wir uns mit der deutschen Literatur nach 1945, wo wir uns mit beiden Nobelpreisträgern Grass und Böll beschäftigen und zwei Themen diskutieren, welche die deutsche Nachkriegsgesellschaft geprägt haben: das Erinnern an den Zweiten Weltkrieg und die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus.


WS 2006/07 Spring Term in Sewanee Course 314 - Advanced Conversation Course/Problem Solving

Der Kurs verfolgt mehrere Ziele zugleich. Im Vordergrund steht die Erweiterung des deutschen Wortschatzes und der alltäglichen Sprechkompetenz. Durch Referate, freie Diskussionen und Textarbeit soll zugleich der Umgang mit verschiedenen deutschen Textgenres (literarische Texte, publizistische Texte (Printmedien und Online-Journalismus,) geübt und die Lese- und Sprechfähigkeit sowie auch das Hörverstehen vertieft werden. Zudem wird die Kompetenz gefördert, Texte auf Inhalt, Gliederung, Intention und Kernthesen hin zu analysieren. Die Entwicklung von Kriterien, mit denen kulturelle Produktionen oder aber Argumente innerhalb komplexer politischer oder kultureller Debatten bewertet werden können, soll gleichfalls erreicht werden, nicht zuletzt auch durch die Seminargespräche und die zu leistenden Hausaufgaben. Zuletzt dient das Seminar natürlich auch der Ausweitung der Kenntnisse über die deutsche Gesellschaft der Gegenwart. Wir wollen uns im Konversationskurs dem seit der Wende 1989/90 und der Deutschen Einheit entstehenden Bild eines modernen Deutschlands widmen. Dabei werden wir nicht nur Formen kultureller, sozialer und politischer Selbstbilder, die in Deutschland in den letzten Jahren diskutiert wurden, analysieren, sondern immer auch einen fremden Blick, der konstitutiv für das Deutschlandbild ist berücksichtigen. Die Bilder über Deutschland entstehen auch über die Reflexion über das Fremde, bzw. über den imaginären Blick von außen auf Deutschland. Deshalb rücken solche Themen in den Mittelpunkt, die auch einen Bezug zu den Vereinigten Staaten von Europa haben.


WS 2006/07PS Literatur um 1800 - Irritationen der Moderne

Die Zeitenwende in der deutschen Literatur um 1800 manifestiert sich in unterschiedlichen ästhetischen Entwürfen und vielfältigen Konzepten literarischer Verhandlungen und Beobachtungen von Wahrnehmungs- und Denkprozessen, die allesamt den als Modernisierungserfahrung empfundenen Wandel reflektieren. Der Moderne-Diskurs kommt in ästhetischen und poetologischen Positionsbestimmungen (Querelle des Anciens et des Modernes) zum Tragen, er äußert sich zudem in radikalen Infragestellungen bis dato geltender Autoritäten (Nihilismusdebatte, Französische Revolution) oder in neuen literarischen Entwürfen (Formdekonstruktion, Spiel). Das Seminar widmet sich Texten der Spätaufklärung und der Frühromantik von Fr. Schlegel, Schiller, Klopstock, Goethe, Jean Paul, Ludwig Tieck und August Klingemann.


SoSe 2006 PS Einführung in die Editionsphilologie am Beispiel Herrmann Fürst von Pückler-Muskaus



Für die einen ist Hermann Fürst von Pückler-Muskau ein exzentrischer Dandy des 19. Jahrhunderts, für andere ein liberaler Adliger; manche bewundern den Gartenarchitekten, andere sind auf den Klatsch in seinen Reisebeschreibungen von England, Ägypten, Sudan und Griechenland erpicht. Und einige essen einfach nur gerne Pückler-Eis. Kaum aber ist Pückler-Muskau als Schriftsteller bekannt. Im Seminar widmen wir uns daher der Edition einer bisher nicht eigenständig erschienenen Novelle. Dieses editionswissenschaftliche Projekt steht im Mittelpunkt des Seminars. Entsprechend werden Sach- und Worterklärungen, Kommentare, die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, die literaturgeschichtliche Einordnung und eine Interpretation gemeinsam erarbeitet. Darüber hinaus führt das Seminar auch in die Epoche der Romantik und des Frührealismus ein und diskutiert die gattungstheoretischen Prämissen der Novelle.


SoSe 2006 PS Klaus Mann



"Ich habe meinen unvoreingenommenen Leser noch nicht gefunden", bedauert Klaus Mann 1932. Dieser Unvoreingenommenheit bei der Betrachtung des literarischen und publizistischen Werkes von Klaus Mann wollen wir uns im Seminar befleißigen, das zugleich auf die Festivitäten zum 100. Geburtstag des gebürtigen Münchener Schriftstellers vorbereitet. Das Seminar gibt anhand seiner literarischen Entwicklung zugleich eine Einführung in die Literaturgeschichte und die literarischen Verhältnisse der Weimarer Republik und des Exils. Zugleich sensibilisiert es für Formen des Kulturtransfers zwischen Deutschland, Frankreich und den USA und diskutiert Fragen der literarischen Wertung zwischen Ästhetik und Recht.





WS 2005/06 PS (Trier) Klaus Mann





WS 2003/04 (Trier) Einführung in die Literatur und Kultur des Barock



Das Seminar gibt einen Einblick in die Literatur und Kultur des Barock und einen Überblick über zentrale Texte aus allen drei literarischen Hauptgattungen (Lyrik, Prosa, Drama) und aus der Feder der wichtigsten Autoren der Zeit. Die Beschäftigung mit der Literatur des 17. Jahrhunderts ist deshalb so spannend, weil auch die vormoderne Literatur Konflikte und Themen verhandelt, die in der Moderne Aktualität besitzen. Die Erfahrung des Krieges und der Vertreibung, die Debatten über die gerechte Herrschaft und die Legitimität des Widerstandes gegen Tyrannei sowie Fragen nach der Darstellbarkeit von Gewalt sind bestimmend für eine Literatur, deren Produktionsbedingungen (Hoföffentlichkeit und Stadtleben, Schriftsteller als Beamten) und Wirkungsfeld wir näher betrachten wollen. 
Die Literatur ist im 17. Jahrhundert ein Bestandteil einer umfassenden Hofkultur, deren Vielfalt (Feuerwerk, Ballett, Jagd, Triumphzüge usw.) zugleich Ausdruck eines barocken Weltverständnisses ist, das mit den Metaphern der „Welt als Bühne“ und „Memento mori“ an den Texten erläutert wird. Dabei soll auch auf das Spezifische der Barockliteratur, ihr rhetorischer Grundzug, eingegangen werden.





SoSe 2003 ESII (Bamberg) Einführung in die Literatur der DDR



Das Seminar setzt sich zwei Ziele. Zum einen sollen die Techniken der Lyrik-, Prosa- und Dramenanalyse vertieft werden (nach Burdorf, Asmuth und Martinez/Scheffel), zum anderen wird eine Einführung in die Literatur der DDR gegeben. Auch zum besseren Verständnis der sogenannten "Wendeliteratur" ist es notwendig, die Literatur, ihre kulturpolitischen Bedingungen und literaturästhetischen Traditionen in der SBZ/DDR zu kennen. Wir beschäftigen uns dabei mit den wichtigsten Autoren in der deutsch-deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, die auch in der Bundesrepublik Deutschland wirkungsvoll gewesen sind: der umstrittene Dramatiker Heiner Müller, der Querkopf und als Dissident verschrieene Stefan Heym oder Christa Wolf, um die den Literaturstreit 1990 entbrannte. Die bis in die 50er und 60er Jahre bedeutsamen Autoren im Umfeld der proletarisch-sozialistischen Tradition wie Anna Seghers, Johannes R. Becher und Stephan Hermlin, die für das Literaturverständnis des sozialistischen Realismus zentral sind, haben am antifaschistischen Gründungsmythos mitgewirkt. Andere Themen wie Zensur (Prenzlauer Berg, Uwe Kolbe), Staatssicherheit und Literatur (Debatten um Wolf Biermann, Sascha Anderson, Christa Wolf, Christoph Hein) oder Arbeit (Bitterfelder Weg; Greif zur Feder, Kumpel) finden ebenfalls Berücksichtigung.





SoSe 2003 PS (Bamberg) Theateravantgarden nach 1945



Das Drama nach 1945 ist einem permanenten Wandel unterworfen. Die Transformationen auf dramentheoretischer (B. Brecht, W. Hildesheimer) Ebene finden ihre genuine Ergänzung in formal-künstlerischen Experimenten und neuen theatralen Darstellungs- und Deutungsformen. Das absurde Theater (G. Grass, W. Hildesheimer, Th. Bernhard), das Dokumentartheater (P. Weiss, R. Hochhuth, H. Kipphardt), der Wiener Aktionismus (G. Brus, H. Nietsch) sowie die Schriftsteller-Regisseure (H. Müller, E. Schleef, Ch. Schlingensief) haben bewußt mit ästhetischen Traditionen gebrochen und Erneuerungen oftmals mit revolutionärem Gestus vorgetragen. Die Diskussion, inwiefern das Aufbegehren gegen Konventionen noch mit ästhetischen, politischen und sozialen Tabuverletzungen einhergeht, mündet ein die Diskussion, inwiefern der umstrittene Begriff der Avantgarde angesichts der Pluralität und der gleichzeitigen Vielfalt neuer dramatischer Formen noch literaturtheoretisch zu greifen ist. Das Seminar endet mit einem Einblick in die zeitgenössische Dramenproduktion. Die Texte werden in der Sitzung festgelegt. Bis dahin soll jeder Teilnehmer zwei in den 90er Jahren erschienene/aufgeführte Stücke von zeitgenössischen Dramatikern einreichen (claude(dot)conter(at)gmx(dot)de) und Brechts Kleines Organon für das Theater lesen (als Kopiervorlage ab März im Semesterapparat). Es wird die Bereitschaft vorausgesetzt, an Sondersitzungen, an denen Theaterinszenierungen besprochen werden, teilzunehmen.





SoSe 2003 Ü (Bamberg) Methodologie und Literaturtheorie für Abschlusskandidaten





WS 2002/03 Ü (Bamberg) Strategien wissenschaftlichen Arbeitens


SoSe 2002 (Bamberg) Pop-Literatur 



Im Mittelpunkt des Seminars steht die Frage nach der Beschreibbarkeit der deutschsprachigen Popliteratur als literarisches und mediales Phänomen. Dabei erweist sich die von der Literaturkritik vorgenommene Fremdzuschreibung "Popliteratur" als schwierig, denn sie reduziert das literarische Phänomen auf ein mediales. Im Seminar werden gleichermaßen die medialen Besonderheiten der Popliteratur (Generationenfrage, Gruppenbildung, Schriftstellersozialisation, Literaturkritik, Selbstinszenierung) und die literarischen analysiert, die bei der überzeichneten Außendarstellung in den Hintergrund rücken. Die literarischen Beschreibungskriterien führen zu einer Neubewertung der Popliteratur der 90er Jahre. Zentrale Themen (Musik, Medienkritik, Deutschlandreisen etc.), AutorInnen (Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Kracht, Rolf Dieter Brinkmann, Maike Wetzel etc.) und die medialen Vernetzungen (Fernsehen, CD zum Buch, Internet etc.) finden ebenso Berücksichtigung wie die kultur- und literaturtheoretischen und kultursoziologischen Ansätze (Diedrich Diederichsen, Theodor W. Adorno, Roland Barthes, Jean-François Lyotard, Leslie A. Fiedler). Das Seminar ist leseintensiv und erfordert viel Lesearbeit!


WS 2001/02


Ü (Bamberg) Erstellen wissenschaftlicher Abschlußarbeiten


SoSe 2001 PS (Bamberg) Traum(a) Europa - Europabilder und -vorstellungen im 20. Jahrhundert

Im Seminar werden Essays und fiktionale Texte besprochen, die die Entwicklung des Europa-Diskurses vom 1. Weltkrieg bis zur Nizza-Konferenz im Jahr 2000 anregen und kommentieren. Schriftsteller und Intellektuelle haben Europavisionen und -ängste artikuliert, sich aufklärerisch-kritisch und satirisch-polemisch zum politischen Gebilde und kulturellen Bewusstsein geäußert. Die wichtigsten Positionen von der Mann-Familie über Ödön von Horváth, György Konrad und Günter Grass bis zu Hans Magnus Enzensberger werden vorgestellt. Einige der Themen sind u.a.: Pan-Europa (Coudenhove-Calergie), Mitteleuropa, Europa-Essayistik, Europa in der Satire (H. Kant, H.J. Mettler, Europäische Schriftstellerkongresse (Berlin 1988, Straßburg 1987).


WS 2000/01


ES (Bamberg) Einführung in die Literaturwissenschaft I



Das Seminar führt in die Techniken der Analyse literarischer Texte ein. An Textbeispielen aus der Literatur vom Barock bis zur Gegenwart wird ferner gezeigt, welche methodischen Zugänge möglich sind (Werkimmanenz, Strukturalismus, Sozialgeschichte u.v.m.) und welcher Erkenntnisgewinn jeweils damit verbunden ist. Der Blick auf die Texte ist gekoppelt mit einem historischen Überblick, der Aspekte der Entwicklung der Literaturgeschichte wie der Geschichte des Fachs Germanistik zum Gegenstand hat. Das Seminar wird durch zweistündige Tutorien begleitet, in denen grundlegende Fertigkeiten literaturwissenschaftlichen Arbeitens eingeübt werden: Umgang mit Primär- und Forschungsliteratur (Kenntnis wichtiger Nachschlagewerke, Grundlagen der Literaturrecherche, Probleme der Edition u.v.m.), Verfassen einer Hausarbeit, Erfassen von Literatur in bibliographischen Nachweisen.





SoSe 2000 PS (Bamberg) Adalbert Stifter und das realistische Erzählen



Seit Hebbels Polemik haftet Stifter der Ruf des Dichters von „Käfern" und „Butterblumen" an. Doch Stifters frühe Erzählungen, die er in den „Studien" und in den „Bunten Steinen" (RUB 4195) gesammelt hat, beschreiben Gefährdungen heiler, bürgerlicher Ordnungen. Das Seminar versucht die Bedeutsamkeit Stifters für den poetischen Realismus im Vergleich mit anderen Autoren wie G. Keller, Th. Storm und B. Auerbach zu verdeutlichen. Epochengeschichtliche und literaturhistorische Fragen zu einer Poetik des Realismus oder nach dem Verhältnis der Literatur zu den Naturwissenschaften, zur Politik (48er Revolution) und zur Gesellschaft (Kinder) gehören genauso dazu wie methodologische (Stifter-Edition) und interpretatorische Problemstellungen.





WS 1999/00 ES II (Bamberg) Einführung in die Textanalyse II: Rebellen



Rebellen und Aufrührer haben in der Literatur immer dann Konjunktur, wenn soziale und politische, aber auch literarische Forderungen gestellt werden. Anhand ausgewählter Beispiele aus Prosa (Heinrich von Kleist: Michael Kolhaas) und Drama (Friedrich Schiller: Die Räuber) wird der Frage nachgegangen, wie der Rebell zum Sprachrohr und zum programmatischen Anführer literarisch inszeniert wird. Das Seminar führt zudem ein in die Grundbegriffe, Textanalysekategorien und Instrumentarien der Erzähltext- und Drameninterpretation. Dabei werden Probleme der Stoff- und Motivgeschichte, der Editionswissenschaft, der Methodologie sowie der Sozial- und Literturgeschichte diskutiert. Unabdingbare Voraussetzung ist die Anschaffung und die Lektüre der Primärliteratur vor Semesterbeginn.





August 1998 Der frühe Goethe (Literaturseminar im Rahmen des 21. Internationalen Ferienkurses J.W.v. Goethe)



Als Goethe in seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit rückblickend auf die „Genieperiode“ zurückblickt, bekräftigt er die Revolutionsthese des Sturm-und-Drangs als literarische Schaffenszeit junger rebellischer Autoren. Doch die Texte erzählen nicht nur von irrationalen Oppositionsansprüchen auf sozialer und literarischer Ebene, sondern verdeutlichen auch die kritische Erweiterung der Aufklärung. Im Mittelpunkt des Seminars stehen deshalb die literarischen (u.a. Shakespeare) und philosophischen (u.a. Rousseau, Herder) Voraussetzungen des jungen Goethe. Anhand des Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand mit der „Gestalt eines Selbsthelfers in wilder anarchischer Zeit“ soll dies veranschaulicht werden. Weitere kleinere Texte wie die Rede Zum Schäkespears Tag und Gedichte umrahmen die Analyse des Frühwerkes, in dem der Geniegedanke, die Sozialkritik, das literarische Erneuerungsbewußtsein und die „neue Sprache“ zentrale Positionierungen darstellen.





SoSe 1999 ES II (Bamberg) Einführung in die Textanalyse II – Sturm und Drang



Der Sturm-und-Drang (1770-1785) gilt als Epoche der literarischen Revolution. Zwischen Aufklärungskritik und sozialer Anklage hat er vor allem sprachlich und in Bezug auf die literarischen Formen neue Wege vorbereitet. Das Seminar gibt einen Überblick über die Lyrik (von Bürgers Volksballade bis zur Dichtung des Straßburg-Frankfurter-Kreises) und das Drama (Schiller, Goethe, Lenz, Klinger) dieser Zeit. Das Seminar führt zudem ein in die Grundbegriffe, Textanalysekategorien und Instrumentarien der Lyrik- und Drameninterpretation. Dabei werden methodologische, interpretatorische, literatur- und sozialgeschichtliche sowie editionsphilologische Gesichtspunkte beachtet. Unabdingbare Voraussetzung ist die Anschaffung und die Lektüre der Primärliteratur vor Semesterbeginn.





WS 1998/99 PS (Bamberg) 1848 Literatur im Vormärz



150 Jahre nach der März-Revolution blickt das Seminar zurück auf jene literarische Phase, in der Tradition und Fortschritt, die politischen und die gesellschaftlichen Umbrüche die Literatur in formaler und inhaltlicher Hinsicht maßgeblich geprägt haben. Literaturtheoretisch wird das Ende der Kunstperiode deklamiert (Heine, Börne, Wienbarg). Die vormärzliche Lyrik steht auf der Zinne der Partei: Hoffmann von Fallersleben, Georg Herwegh, Ferdinand Freiligrath und Georg Weerth decken ein politisches Spektrum sozialistisch-kommunistischer, demokratischer und liberaler Einstellungen ab. Im Sinne der Abkehr von einer aufoktroyierten Ideologie sorgt Karl Gutzkow mit seinem Roman “Wally, die Zweiflerin”, der die erotischen Bedürfnisse und die religiösen Zweifel thematisiert, für einen Skandal. Heine übt in “Deutschland. Ein Wintermärchen” gesellschaftspolitische Kritik und Büchner erfaßt in “Dantons Tod” die Tragik der Revolution. Gleichzeitig entsteht Mörikes “Maler Nolten”, in dem die “Krankheit zum Tode” beschrieben wird und der die Orplid-Utopie enthält.





SoSe 1998 PS (Bamberg) Johann Christoph Gottsched und die Frühaufklärung

Im Seminar wird anhand exemplarischer literarischer Texte (Tragödien, Komödien, Fabeln, Lyrik) die Poetik der Frühaufklärung analysiert. Dabei soll J. Ch. Gottscheds lange Zeit führende Critische Dichtkunst ausführlich diskutiert werden. Die Weiterentwicklung des Literaturbegriffs in der Frühaufklärung und die Auswirkungen auf die poetischen Texte werden anhand der Querelle des Anciens et des Modernes, des Literaturstreits mit den Zürchern J. J. Bodmer und J. J. Breitinger und dem Ansatz von J. E. Schlegel aufgezeigt. Es wird nachzuweisen sein, inwiefern die Nutzenforderung über den sich langsam durchsetzenden wirkungsästhetischen Ansatz von der Forderung nach Unterhaltung und Gefühlen abgelöst wird. Die Abkehr des ‘rührseligen Lustspiels von der sächsischen Typenkomödie ist ein Beispiel dafür. Spätestens mit dem 17. Literaturbrief von G. E. Lessing ist die Poetik Gottscheds historisch überholt.





August 1997 Das Lehrstück (Literaturseminar im Rahmen des 20. Internationalen Fe­rienkurses Bertolt Brecht)



Die Lehrstücke Die Maßnahme, Der Jasager, Der Neinsager, Die Ausnahme und die Regel, Der Ozeanflug und Das Badener Lehrstück vom Einverständnis (1929-1930) gehören in Brechts mittlere Schaffensphase. Sie zeugen von Brechts Auseinandersetzung mit dem Marxismus, dessen politische und soziale Ideale er in einer abstrakt-parabelhaften dramatischen Form darstellt. Durch Projektionen, Spruchbänder und andere Verfremdungseffekte bricht er mit der aristotelischen Theatertradition, um sowohl unter den Aufführenden als auch unter den Zuschauern die vorgeführten Verhaltensweisen diskutieren zu lassen. Im Seminar wird das umstrittenste Lehrstück Brechts Die Maßnahme behandelt. Die Gattungsproblematik (Lehrstück), die Begriffe und die Metaphernfelder von ‘Revolution’ und ‘Maßnahme’ und das Verhältnis des Individuums zum Kollektiv werden unter Berücksichtigung von Brechts Marx- und Leninrezeption analysiert.





August 1997 Brechts antifaschistische Stücke (Literaturseminar im Rahmen des 20. Internationalen Fe­rienkurses Bertolt Brecht)



Das Parabelstück Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (1941) ist eine Gangsterhistorie, in der nationalsozialistische Führer als Chicagoer Gangster entlarvt werden. Das Stück wurde 1958 erstmals vom Brecht-Schüler Peter Palitzsch uraufgeführt. Furcht und Elende des Drittes Reiches (1935-36) beschreibt durch die Aneinanderreihung von charakteristischen Situationen den Alltag im Dritten Reich. Gleichzeitig entwirft Brecht eine soziale Typologie (Kleinbürger, SS-Leute, Konzentrationslagerhäftlinge, Intellektuelle, Arbeiter) und ein Kaleidoskop verschiedener Verhaltensweisen in der Diktatur.
Das Seminar beschäftigt sich anhand dieser beiden Stücke mit Brechts literarischer Auseinandersetzung mit dem Faschismus. Dramentheoretische Reflexionen und formale Aspekte (Agitprop, Montage, ‘Doppelverfremdung) stehen dabei im Mittelpunkt.